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Datum:26.01.2010
Beschreibung:Umsatzsteueranpassung für Übernachtungsleistungen zum 1.1.2010
 
 

Umsatzsteueranpassung für Übernachtungsleistungen zum 1.1.2010

Seit dem 1.1.2010 gilt für Übernachtungen im Gastgewerbe der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7%. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass davon nicht allein die Hotellerie, sondern ein Großteil der Tourismuswirtschaft profitieren.

Ob und wieweit TIBOS-Anwender in den Genuß des ermäßigten Steuersatzes kommen, kann im Einzelfall nur der Steuerberater verbindlich feststellen. Wir bemerken zumindest, dass ein Großteil der TIBOS-Anwender betroffen ist.

Da diese Neuregelung anders als frühere Umsatzsteueränderungen nicht den Prozentsatz als solchen, sondern die Umsatzsteuerklasse nach Leistungsart betrifft, folgt hier ein kleiner Leitfaden, wie die Umstellung durchgeführt werden kann.

1. Debitorische Leistungen

1.1. Arrangements

Zunächst einmal gilt die Umsatzsteuerermäßigung nur für die Übernachtung selbst, nicht für Leistungen, die für die Übernachtung nicht erforderlich sind, z.B. das Frühstück. Wieweit mit der Übernachtung direkt verbundene Leistungen wie Aufbettung, Reinigung, Wäsche etc. ebenfalls unter den ermäßigten Satz fallen, sollte mit dem Steuerberater geklärt werden.

In jedem Fall müssen alle Leistungen, die unterschiedlichen Steuersätzen unterliegen, voneinander getrennt werden, und zwar sowohl im System als auch auf der Gästerechnung. Wer bisher also z.B. "Übernachtung/Frühstück" als simple Buchungsart verwendet hat (bei der nur ein Abrechnungskonto verwendet wird), sollte diese Buchungsarten in Arrangements umwandeln.

Die Verwendung von Arrangements ist an sich üblich, um die Umsätze auf verschiedenen Kostenarten getrennt voneinander auswerten zu können; dieser Abschnitt gilt also nur für Anwender, die der Einfachheit halber bisher auf die Trennung verzichtet haben.

Am Beispiel Übernachtung/Frühstück wollen wir kurz exemplarisch erläutern, wie das funktioniert:

Angenommen, der Tagespreis/ÜF beträgt in einem bestimmten Zeitraum 65,- Euro. Sofern noch nicht geschehen, wird zunächst ein Konto für Frühstück (oder Verpflegung allgemein) angelegt. Dieses Konto erhält den nicht ermäßigten Steuersatz.

Als nächstes wird (so noch nicht vorhanden) eine Nebenleistung namens "Frühstück" angelegt. Diese Leistung wird analog der Miete berechnet, also z.B. pro Tag und Person. Konto der Nebenleistung ist das Verpflegungskonto, der Preis wird z.B. mit 5.- Euro angegeben. Diese Nebenleistung wird an die Buchungsart Tagespreis/ÜF gekoppelt (und ggf. an weitere Buchungsarten, die Frühstück enthalten).

Danach muß der bisherige Pauschalpreis der Buchungsart Tagespreis/ÜF um die 5 Euro pro Person reduziert werden, damit der Brutto-Gesamtpreis erhalten bleibt.

Analog wird mit allen Buchungsarten verfahren, die pauschale Leistungen enthalten. Am Buchungsvorgang selbst ändert sich dadurch nichts, nur bucht TIBOS fortan statt des Pauschalbetrags die Einzelleistungen mit ihren Teilbeträgen auf die Gästerechnung.

1.2 Gästerechnung

Wenn Sie Umsatzsteuer auf der Gästerechnung ausweisen, reicht es nicht mehr, den Gesamtbetrag anzugeben. Seit 2008 gibt es dazu z.B. die Felder mit xx gleich derzeit 19 bzw. 7%. Ebenfalls sollten bei arrangementierten Leistungen die unterschiedlichen Leistungen einzeln aufgeführt werden. Wie das geht, entnehmen Sie bitte der Dokumentation.

1.3 Stichtagsumstellung

Sind die Voraussetzungen nach 1.1 und 1.2 vorhanden (oder geschaffen worden), können die Steuersätze umgestellt werden. Im Gegensatz zu früheren Umsatzsteueränderungen, bei denen der prozentuale Anteil geändert wurde (Datenverwaltung, Register Objektgruppen, Steuersätze) ändert sich zum 1.1.2010 die Zuordnung der Leistungen zu den ansonsten gleich gebliebenen Sätzen.

In der Folge werden die Abrechnungskonten bei TIBOS neu zugeordnet. In Abschnitt 1.1. wurde dafür gesorgt, dass auf diesen Konten keine Leistungen gebucht werden, die unterschiedliche Steuersätze enthalten, also können ab dem Stichtag die betroffenen Konten auf den ermäßigten Umsatzsteuersatz umgestellt werden (Datenverwaltung, Registerkarte Konten).

Jetzt bleibt noch das Problem, dass bis zu diesem Zeitpunkt erfolgte Buchungen bei der Eingabe in ihren Rechnungspositionen noch mit den zum Zeitpunkt der Eingabe gültigen Steuersätzen versehen sind. Aus diesem Grund gibt es von TIBOS ein Tool, das alle Rechnunspositionen für Buchungen mit An- oder Abreise nach einem Stichtag entsprechend der geänderten Steuersätze anpasst. Das Tool gilt nicht nur für die Umsatzsteueranpassung zum 1.1.2010, sondern kann für jede Umsatzsteueränderung verwendet werden.


2. Kreditorische Leistungen

Während die Auswirkungen der Umsatzsteueränderung auf debitorische Leistungen relativ simpel sind, gibt es für die Abrechnung mit Eigentümern keinen allgemein gültigen Weg.
Klar ist, dass die touristische Vermietung eigener Objekte voll vom ermäßigten Steuersatz betroffen ist. Dieser Fall ist aber trivial und muß hier nicht näher betrachtet werden, da er auch keine Kreditorenabrechnung erfordert.

Im übrigen ist die Vertragslage entscheidend. Dem Wortlaut der Änderung im UStG folgend, gilt die ermäßigte Umsatzsteuer für Unternehmer, die Wohn- und Schlafräume zur kurzfristigen Beherbergung von Fremden bereithalten.
Im Gesetz steht weder, dass diese sich im Inland befinden müssen, noch werden Besitzverhältnisse angesprochen.

Daraus läßt sich zunächst ableiten, dass reine Vermittler nicht von der Umsatzsteueränderung betroffen sind, denn die Bereithaltung erfolgt hier durch den Vermieter.

Hat der Anbieter jedoch die Buchungshoheit, kann man daraus ableiten, dass er auch derjenige Unternehmer ist, der die Objekte zur kurzfristigen Vermietung bereithält, während der Eigentümer ihm das Objekt langfristig überlassen hat und damit nicht unter die Neuregelung fällt.

Die meisten TIBOS-Anwender sind de fakto Vermieter (Ausnahme sind diejenigen, die zur verbindlichen Buchung Rücksprache mit dem Vermieter halten müssen). Viele Vermittlungsverträge sind jedoch bisher zumeist aus Haftungsgründen so abgefasst, dass der eigentliche Vermieter nur als Vermittler auftritt. In diesen Fällen sollte man die Vertragsgestaltung mit dem Vermieter und einem Steuerberater zusammen ggf. überdenken.

Bei sinnvoller Vertragsgestaltung können durchaus alle Beteiligten an der Umsatzsteuersenkung partizipieren. So ist z.B. zu überlegen, ob man die bisher übliche Provision (19% USt) nicht in einen prozentualen Mietanteil (7% USt) umwandelt.

Wir können an dieser Stelle allerdings weder eine Steuer- noch eine Rechtsberatung geben. Wir können nur empfehlen, das Kreditoren-Abrechnungsverfahren mit einem guten Steuerberater zu prüfen und ggf. anzupassen. Der TIBOS-Support ist bei der Umsetzung gerne behilflich.

 


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